Lernen im Internet

Dieser Artikel hat zum Teil auch mit dem Thema meiner Magisterarbeit an der Universität zu tun, doch in erster Linie ist es ein allgemeines Thema, über welches ich mich schon öfters mit Freunden, Bekannten und Mitarbeitern auf meiner ehemaligen Arbeit ausgetauscht hatte. Wie viel Wissen lässt sich aus dem Internet für jeden Einzelnen von uns generieren?

Zu meiner Vorgeschichte

Ich studiere in Magdeburg an der Otto von Guericke Universität und bereite mich auf meinen Abschluss als Magister Artium in Sozial- und Erziehungswissenschaften vor. Ich habe während meines Hauptstudiums an der Fakultät für Geistes-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften als technischer Support gearbeitet. Wirklich sehr häufig bekam ich die Frage von den Mitarbeitern gestellt, wie denn mein Informatikstudium verlaufen würde. Um so mehr fand ich es lustig, wenn ich den Leuten sagte, dass ich Soziologie und Pädagogik studiere und ich mir mein technisches Wissen aus einem persönlichen Interesse heraus angeeignet habe. Ich lerne sehr viel autodidaktisch. ( Nur nebenbei, als kleiner Running Gag unter Informatikern, gilt die Aussage von Anwendern: “ Sie sind Informatiker, sie müssen sich doch mit Word und Excel auskennen!“)

Mit der Arbeit als technischer Support an der Fakultät, entwickelten sich auch meine Arbeitsfelder und dadurch war es notwendig, mir entsprechendes Wissen anzueignen, damit ich ich meine Ideen auch in die Tat umsetzen konnte. Bis vor 3 Jahren hätte ich auch noch nicht gedacht, dass ich mit Linux arbeiten würde, um Web-, MySQL oder Samba Server einzurichten zu können. Privat habe ich auch Teamspeak 2 und 3 Server, sowie Counter Strike Source und Battlefield 2 Game-Server eingerichtet.

Ein Einzelfall?

Jetzt bin ich natürlich nicht der Einzige, der sich außerhalb von Bildungsinstitutionen neues Wissen aneignet. Ich denke, dass viele von euch auch damit Erfahrungen haben. Ein anderes Beispiel ist einer meiner besten Freunde. Er ist gelernter Elektriker und hat sich selbst den Umgang mit PHP, MySQL, Java usw. beigebracht. Einen Großteil hat er sich autodidaktisch mit Hilfe des Internets beigebracht. Jetzt hat er eine eigene Multimedia Agentur und sein eigenes CMS entwickelt. Dies kommt sogar für Projekte und Lehrstühle an der Uni Magdeburg zum Einsatz. Einen Abschluss in Informatik hat er nicht, dementsprechend besitzt er also auch kein Zertifikat, welches seine Fähigkeiten bescheinigt, aber sein Wissen in diesem Bereich ist das eines Experten und steht dem eines Diplom Informatikers in nichts nach. Aber er ist jetzt ein extremes Beispiel. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und besitzt die entsprechenden Kompetenzen im Umgang mit Informationen. Bei ihm spielt auch eine ganze Menge Talent mit.

Lernen außerhalb institutioneller Rahmen

Die Rede ist hier von informellen Lernen, welches außerhalb von z.B. Schule und Universität stattfindet. Ich bin mir sicher, dass schon die meisten von der Notwendigkeit des „lebenslangen Lernens“ gehört haben. Wissen hat heute ja schon quasi ein Verfallsdatum. Das bedeutet, kaum aus der Ausbildung oder der Universität gekommen, muss das Wissen in einigen Jahren schon wieder erneuert oder sogar ausgetauscht werden. Viele Ingenieure aus meinem Umfeld können davon ein Lied singen. Besonders in technischen Bereichen ist dies zu beobachten. Im Internet gilt ja schon (etwas überspitzt), dass eine Informationen bereits in dem Moment veraltet ist, wo sie veröffentlicht wurde. Aber Information ist nicht gleich Wissen. Informationen werden erst zu Wissen , wenn sie bewertet und in einen Erfahrungskontext eingebracht werden (vgl. Wissenspyramide aus dem Wissensmanagement: Daten > Informationen > Wissen).

Aber zurück zum Internet und Lernen. Einen Browser zu öffnen und nach etwas zu suchen macht noch keine Bildung von Wissen aus. Für mich hat es sich immer so gestaltet, dass ich ein Problem oder ein Ziel hatte, zu deren Lösung bzw. Erreichung mir die notwendigen Informationen fehlten. So habe ich in Foren nach bereits ähnlichen Problemen und Fragen gesucht oder selber um Hilfe gebeten und mich ausgetauscht. Auch Blogs haben mir in dieser Hinsicht sehr weitergeholfen. Wenn man richtig sucht, dann bekommt man wahre Schätze an Anleitungen und Erklärungen geliefert. Last but not least sind da noch die Onlinenachschlagewerke wie zum Beispiel selfhtml oder php.net

Ich rede an dieser Stelle auch nicht von E-Learning, WBT oder sonstiger Lernplattformen, sondern vom eigenen selbstgesteuerten Lernen.

Fazit

Jeder kann das Internet nutzen, um sich neues Wissen anzueignen. Das Problem ist jedoch nach wie vor, dass es vielen Nutzern an den notwendigen (Medien-)Kompetenzen und methodischen Vorgehensweisen mangelt, die Informationen auf die richtige Art und Weise zu suchen, zu filtern, um sie anschließend auswerten und reflexiv in Bezug auf eigene Probleme und Aufgaben verwerten zu können. Wer diese Fähigkeiten nicht hat, der verliert sich in der Informationsflut und wird regelrecht erschlagen bei so vielen Texten, Bildern und Videos .

Ich sehe selbst, was ich jeden Tag aus dem Internet an Informationen ziehen und in Wissen umwandeln kann. Dazu gehört allerdings, dass man nicht ohne Ziel und unstrukturiert vorgeht. Ich denke jeder, der sich täglich mit dem Internet auseinandersetzt und darin bewegt, kann dazu eine eigene Meinung bilden. Dabei ist es egal, ob man sich neues Wissen für das Hobby (vom Backen , über Fotografie, bis hin zur Kakteensammlung) oder den Beruf aneignen möchte. Das Internet als ein Netzwerk ist nun einmal der größte Informationsspeicher der Welt. Was wir daraus ziehen und wie wir es nutzen, das ist nicht nur die Frage, die sich aus meiner Sicht zukünftige Generationen von Pädagogen stellen müssen, sondern auch jeder für sich selbst. Nicht jeder wächst darin hinein oder kann sich aus freiem Interesse damit beschäftigen. Für viele ist es eine Notwendigkeit. Zugang bekommen wir schon (theoretisch) fast überall von jedem Punkt der Welt aus und Geräte wie iPad und Co. werden dazu beitragen die Möglichkeiten weiter auszubauen. Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass alles einen Nutzen hat, jedoch kommt es darauf an mit welcher Einstellung und Ernsthaftigkeit man an Dinge heran geht.

Ich hoffe, dass ich euch etwas zum Nachdenken, in Bezug auf das eigene Lernverhalten, anregen konnte. Wie seht ihr das Lernen im Internet aus eurer Sicht?

Über Torsten
Mein Name ist Torsten. Ich hoffe der Artikel hat dir gefallen und über ein Feedback von dir würde ich mich sehr freuen.

4 Kommentare zu Lernen im Internet

  1. Hi Torsten,

    sehr interessanter Artikel. Ich studiere Wirtschaftsinformatik und bin froh, das Internet zum Lernen verwenden zu können. Es ist unglaublich, zu wie vielen Themen schon Lehrvideos von Privatleuten auf einschlägigen Videoportalen zur Verfügung stehen. So lerne ich z.B. Mathematik – aber auch PHP, HTML, CSS, SQL, etc. lassen sich damit einfach lernen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht in eine Konsummentalität verfällt und man muss sich bewusst sein, dass man nicht alleine durch Anschauen dieser Videos lernt, sondern hauptsächlich durch eigene Anwendung.

    Wenn man früher etwas nicht wusste, musste man entweder jemanden finden, der die Antwort kannte oder man begab sich tagelang in die Bibliothek. Heute ist die Information für jedermann frei verfügbar und mit zwei Klicks erreichbar.

    Mir hilft das Internet täglich!

  2. Vor einigen Jahren wurde der Zugang zum Internet gleichgesetzt mit der Garantie, dass freier Zugang auch zu Chancengleichheit und folglich zu einer allgemeinen Vermehrung des Wissens führt.

    Ich denke von dieser Utopie darf man sich getrost verabschieden. Theorie und Praxis liegen wie immer weit auseinander.

    Der allgemeine Bildungsstand schrumpft eher, als dass er steigt. Letztendlich bietet das Internet die Möglichkeit sich Wissen anzueignen, wie auch die Möglichkeit sich falsches Wissen anzueignen, wie auch die Möglichkeit Wissen links liegen zu lassen und sich rein mit Spass und Ablenkung zu beschäftigen.

    Wie im Beispiel des Elektriker gezeigt bietet sich für Motivierte, Kreative, Inspirierte (u.s.w.) Menschen die Möglichkeit durch Einsatz und Lernen Wege zu beschreiten die ansonsten versperrt wären. Das eigene Modelabel benötigt nicht mehr als eine Nähmaschine und eine Domain.

    Wer zum Lernen bereit ist, kann vieles erreichen und Potential aus dem Internet schöpfen. Man sollte aber nicht vergessen, dass wohl 80% aller Nutzer kaum interesse haben das Internet zum Lernen zu benutzen.

  3. @Frank – Ja, das Motto kenne ich ;)

    @Sven – Das Problem ist, dass die zielgerichtete und reflexive Nutzung des Internet nicht als Kompetenz, zum Beispiel in der Schule, ausgebaut wird. Viele Jugendliche und Kinder nutzen es passiv und suchen nach Klingeltönen, YouTube Videos oder kommunizieren in Social Networks.

    Da aber selbst jetzige Lehrer keinen wirklichen Einblick über das haben, was das Internet ist und bietet, wie soll es da an Kinder- und Jugendliche übermittelt werden? Die Schule hat einen reproduzierende Aufgabe für die Gesellschaft, den Nachwuchs auf die Gegebenheiten vorzubereiten. Das ihr dies in Deutschland nicht mehr ausreichend gelingt, dürfte bereits nicht nur Erziehungswissenschaftlern klar sein. Doch das Internet gehört mit zu unserer Welt und sollte deshalb auch einen Platz im Curriculum finden. Damit meine ich jetzt nicht den Informatikunterricht!

    Momentan sind es eher Medienpädagogen und technisch affine Akteure, die es sinnvoll auch für die Lehre nutzen.Es geht also darum, die Kinder und Jugendlichen darauf vorzubereiten, dass das Internet eine mögliche (weitere) Ressource ist.

    Für mich ist das Internet nicht die einzige Quelle und sollte es aus meiner Sicht auch nicht sein. Aber es ist eine gute und sinnvolle Ergänzung, wenn man weiß, wie man damit umzugehen hat.

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